Ich will dir was zeigen. Ko-Kreation. // unperfekt!challenge // Woche 6/10

Ko-Kreation statt Unperfektion? Aber was soll das sein?

Was passt nicht in die Reihe? Kampf - Flucht - Totstellen - Unperfektion. Genau! Wir wollten die Unperfektion kultivieren und haben festgestellt: Sie kann gar keine Reaktionsweise auf Gefahr sein. Sie passt nicht in die Reihe. Aber sie ist doch so wichtig und hat sich in den vergangenen sechs Wochen als großartige und wirkungsvolle Katharsis herausgestellt. Also wäre es schade, wenn wir sie nicht als dieses Werkzeug irgendwo in unserem System einordnen würden. Wo soll aber ihr Platz im Werkzeugkasten sein und … mal nebenbei, wie heißt sie eigentlich? Unperfektion ist ja kein echtes Wort und wird auch ihrer Kraft nicht gerecht. 

Ich habe in dieser Woche mein erstes öffentliches Webinar durchgeführt: Wie Krisen funktionieren und warum du ins Handeln kommen solltest. Gerade eben habe ich mir die Aufzeichnung angesehen … tja … es war ziemlich unperfekt ;D Aber hey, weißt du was? Die Rückmeldungen waren es ganz und gar nicht! Niemand von den Teilnehmern hatte nämlich die selben Erwartungen an das Webinar wie ich. Die optische und inhaltliche Aufbereitung hat die Erwartungen mancher sogar übertroffen. Dabei war das für mich so selbstverständlich und eigentlich eine Mindestanforderung. Und so habe ich einen Makel aus der Welt geschaffen, weil ich mich getraut habe ihn überhaupt erst sichtbar und greifbar zu machen … in Form dieses Webinars.

Übrigens, das passt gerade auch noch gut: Wenn wir eine herausfordernde Situation bewältigen, dann nennen wir sie Entwicklung. Wenn wir sie nicht bewältigt bekommen, dann nennen wir sie Krise (in der Folge dann häufig Trauma). Wir durchlaufen insgesamt 8 Phasen in drei Schritten:

  1. Zunächst reagieren wir auf die Situation, in der wir uns befinden total rational. Wir durchdenken alles, was auf uns einprasselt und sind dadurch wie fremdgesteuert.
  2. Im nächsten Schritt haben wir das Gefühl durchzudrehen, wir sind total emotional und irren durch die Situation.
  3. Und erst im dritten Schritt fangen wir an, zu reflektieren. Wir bringen den rationalen und den emotionalen Inhalt zu einander und beginnen zu handeln. Das schaffen wir aber erst, wenn wir diese verdammte Bewegungsunfähigkeit und diese Starre satt haben. Wir sagen uns dann: Du kannst doch hier nicht sitzen bleiben und nichts tun.
Und schau wie krass … genau hier scheint die Unperfektion ihren Platz im Werkzeugkasten gefunden zu haben. Alle fragen sich, wie zur Hölle komme ich denn aus dem zweiten in den dritten Schritt?!?!?!? Na, mit Hilfe der Unperfektion! Heureka!

Wenn Perfektionismus die Scham, aufgrund mangelnder Integrität ist. Wenn das die Angst ist, bei einem Mangel erwischt zu werden. Dann ist die Unperfektion die Fähigkeit der Improvisation auf Grundlage der eigenen Expertise!

Jetzt komme ich wieder in meinen Kompliziert-Schnack. Ohman. Ok. Anders:

Unperfektion ist die Freude am Entdecken der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Mit anderen gemeinsam. Das ist dieses entzückte: Ich habe was entdeckt und ich möchte es dir zeigen! 

Ich will nicht kämpfen, nicht fliehen und mich nicht verstecken. Nein. Ich will dir was zeigen. Die Unperfektion ist keine Reaktionsweise auf Gefahr. Sie ist ein Werkzeug zur Überwindung der Gefahr.

Und so können wir die Unperfektion nun umtaufen. Da erscheint mir der Begriff der Ko-Kreation als sehr stimmig und passend. Lass uns die Ko-Kreation kultivieren. Lass uns zeigen, was wir entdeckt haben!

Dafür brauchen wir ein Gegenüber. Wir brauchen Menschen, die diese Schamlosigkeit im Entdeckungsmodus mit uns teilen und genießen. Menschen, die diesen Prozess mit uns gemeinsam vor den Erwartungen von außen abschirmen. Nur für eine gewisse Zeit. Nur bis wir den Übergang aus dem zweiten in den dritten Schritt schaffen. Und so können wir unsere Entdeckung erforschen bis sie den Zauber des Neuen verloren hat und bereit für den Feinschliff ist.

Wer sind diese Menschen für dich? Wer sind deine Sparringsparter? Wer begleitet dich dabei, dich nicht zu verstecken, sondern in deiner greifbaren Position zu zeigen? Such sie und sag ihnen: Hey, ich will dir was zeigen.

Auf meiner aller ersten Visitenkarte stand auf der Rückseite: Das Meiste ist noch nicht getan - Wunderbare Zukunft! Ich denke, ich werde es wieder drauf drucken.

Katharina


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