Eigentlich ist es so: Du bewegst Dinge, wo andere noch starr vor Angst sind. Hast den Überblick, wo andere noch nach Orientierung suchen. Erkennst Zusammenhänge, bevor sie für andere Sichtbar werden.
Du bist es gewohnt, die Person zu sein, die weiß, was zu tun ist – und es dann auch tut.
Deine Expertise ist gewachsen. Und dein Sein auch. Kontinuierlich. Das zeigen Ergebnisse, Verantwortung, die Komplexität deiner Aufgaben. Und da ist noch Luft nach oben.
Nur hat das System in dem du dich bewegst, dieses Wachstum irgendwann nicht mehr "verkraftet".
Weil du mehr wurdest – als das System noch fassen kann.
Je mehr du versuchst, dich anzupassen, desto weniger magst du, wie du bist.
Du siehst diese Dynamiken klar. Du kannst sie benennen, einordnen, analysieren. Was du noch nicht hast, ist eine konstruktive Bewegung da raus – und das liegt nicht an unterkomplexer Analyse oder oberflächlicher Wahrnehmung.
Für eine erfolgreiche Interaktion zwischen zwei Systemen braucht es keine Gleichheit – aber Passung. Das bedeutet: Die Varietät beider Seiten muss kompatibel sein.
Ein System kann nur dann erfolgreich mit einem anderen interagieren, wenn seine Varietät mindestens der des Gegenübers entspricht. (Nach W. Ross Ashby)
Varietät bedeutet: Die Anzahl der Handlungsoptionen und möglichen Zustände in einer bestimmten Situation.
Ist die Varietät nicht kompatibel, reguliert das übergeordnete System die dazugehörigen Elemente. Wenn das Umfeld über weniger Varietät als das Individuum verfügt, reguliert es das Individuum durch Reduktion, Ausgrenzung oder Ignoranz. Und nicht andersrum!
Es besteht ein Gefälle der Varietät zwischen dir und dem System, in dem du wirkst.
Die Antwort darauf liegt nicht in mehr Expertise. Sondern in einem anderen Verhältnis zwischen dir, deiner Varietät und dem Kontext, in dem du sie einsetzt.
Etwa 90 Prozent der Teilnehmenden arbeiteten daran, sich bewusst zu machen, dass sie genug sind. Dass sie wertvoll sind. Dass sie mehr sind, als man ihnen versucht hat unterzujubeln. Das war ihr Thema. Ihr Schmerz. Ihr Weg.
Und ich saß da und merkte: Das ist alles stimmig, nur nicht meins.
Innerlich, fast unbewusst, schoss mir ein Impuls durch den Kopf.
„Und was ist mit mir?"
Ich hatte ja den gleichen Preis wie die anderen für diesen Workshop bezahlt. Wieso betrachten wir nicht auch meine Perspektive?!?
In diesem Moment wurde mir schlagartig bewusst, was ich eigentlich schon immer ahnte, nur mir nicht einzugestehen wagte: Ich bin scheinbar anders. Ich bin mehr so zu viel!
Eine Woche später saß ich mit einem guten Freund am Küchentisch. Wir kennen uns seit der siebten Klasse. Ich erzählte ihm von diesem Moment. Es hat ihn traurig gemacht. Er fragte mich, was denn die konstruktive Deutung des Zu-Viel sein könnte. Und ich saß da, Wein in der Hand, und wusste einfach keine Antwort! Absolut keine Idee! Untypisch für mich. Er hat noch kurz gewartet. Er wusste ja schon die Antwort auf seine eigene Frage. Und er war sich sicher, dass ich von allein drauf kommen würde. Schließlich ist es ja sogar mein Beruf auf sowas zu kommen. Aber nee. Da kam nix. Ich saß da einfach in diesem "Zu-Viel-Modus" und kam da einfach nicht raus.
Irgendwann hatte er dann scheinbar Mitleid oder sowas mit mir. „Bist du blöd? Was, wenn du nicht zu viel bist? Was, wenn du mehr als genug bist?"
Dieser Moment hat mich mit der Welt versöhnt. Und ich war ihm dankbar, dass er mir eine Tür aus diesem elendigen Modus aufgezeigt hat. Durch gehen musste ich dann aber schon noch selbst. Hat einpaar Monate gedauert. Einpaar mehr Monate.
Nicht jeder hat gerade einen solchen Menschen an seiner Seite. Deshalb habe ich meine Angebote auf genau diese Transformation ausgerichtet – vom „Ich bin scheinbar zu viel" hin zum „Ich bin mehr als genug."
Für Menschen, deren Problem nicht emotionaler Art ist. Schon gar nicht rationaler Art. Sondern relationaler Art.
Das ist keine Kleinigkeit. Aber es ist auch noch keine Antwort. Denn die eigentliche Frage ist nicht, ob du mehr als genug bist. Die Frage ist, was du damit machst.
Es gibt zwei Wege von hier.
Nicht Unabhängigkeit – sondern Passung. Die Kompetenz, dich selbstbestimmt und authentisch in Beziehungen zu bewegen. Ohne dich zu verleugnen. Ohne das System zu sprengen. Das ist komplexer. Und konstruierbarer, als du denkst.
Es gibt Muster, die helfen, Passung bewusst herzustellen. Relationale Muster. Keine Techniken, keine Frameworks – sondern Zusammenhänge, die du erst erkennst, dann verstehst, dann in deinem Alltag erforschst und schließlich aktiv gestaltest.
Im kostenlosen 60-Minuten-Video beschreibe ich, wie das Gesetz der erforderlichen Varietät nicht nur erklärt, was bisher nicht gepasst hat – sondern wie du anfängst, Passung aktiv herzustellen. In Theorie und in Praxis.