Ich kenne dieses Zu-viel-Ding nicht nur aus der Theorie. Ich bin diesen Irrweg selbst gegangen: Ich habe gelernt, mich zu positionieren, professionell zu wirken, verständlicher und marktfähiger zu werden – und mit jedem Schritt meine eigene Komplexität weiter runtergeschraubt. Irgendwann kam nur noch dieser Satz zurück: „Ich höre, was du sagst, aber es kommt kein Wort an." Da wurde mir klar: Ich hatte mich bis zur Unkenntlichkeit reduziert.
Die Wende kam in einem Workshop, in dem ich als Teilnehmerin saß. 90 Prozent der Gruppe arbeiteten daran, sich bewusst zu machen, dass sie genug sind, nicht zu wenig. Ich saß da und dachte: „Und was ist mit mir?" In diesem Moment wurde mir bewusst, was ich immer schon ahnte: Ich bin nicht zu wenig. Ich bin zu viel.
Seitdem baue ich keine Formate mehr, die Zehner-Menschen in Fünfer-Logik pressen. Ich baue Räume, in denen hohe Komplexität nicht pathologisiert, sondern in Passung übersetzt wird.
Katharina Barrenscheen
Diplom-Pädagogin · Coach · Systemische Aufstellerin · Entwicklerin der Blickfeld-Methode


