Hand in Hand mit der Aufschieberitis

Prokrastination, Aufschieberitis, Fristverlängerung ... das Phänomen hat viele Namen und auch ich bin gerade damit beschäftigt ;)

Da ich meinen ersten Vlog-Beitrag noch nicht fertig habe, verweise ich gern auf einen Auszug aus einem Blog der FAZ mit dem wohlklingenden Titel "Prokrastination ist das Gegenteil von Faulheit". Hier erfährst du auch warum mich mein geisteswissenschaftliches Studium in dieses Gegenteil von Faulheit trieb und was die Ursachen dafür sind.

 

"Oftmals heißt es ja im Volksmund „Du bist zu faul“ oder „Du bist nicht willensstark genug, reiß dich doch mal zusammen!“, wenn jemand prokrastiniert. Hängt denn Prokrastination damit zusammen?

 

Wenn man sich Prokrastination genau anschaut, ist es eigentlich das Gegenteil von Faulheit – es ist ein sehr aktiver Prozess. Wenn wir Faulheit definieren, würden wir sagen „Wir liegen faul in der Gegend herum und tun gar nichts“. Die Prokrastinatoren sind jedoch sehr aktiv in der Prokrastinationsphase. Während sie nicht die Aufgabe erledigen, die sie wollen und sollen, beschäftigen sie sich aktiv mit anderen, in Relation dazu angenehmer wirkenden Aufgaben.

Der Klassiker: Als Student muss ich meine Hausarbeit fertigstellen, dafür gibt es eine Deadline. Ich weiß, dass es nötig ist, vielleicht interessiert mich das Thema sogar. Und dennoch schaffe ich es nicht, mich hinzusetzen und lenke mich stattdessen damit ab, dass ich meine WG zum dritten Mal putze. Das ist ein sehr aktiver Prozess. Faulheit passt deshalb nicht.

 

Was genau sind dann die Ursachen für Prokrastination? Gibt es Menschen, die eher dazu neigen?

Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass Prokrastination ein erlerntes Verhalten ist. Das heißt auf der einen Seite, dass es theoretisch jeder bekommen kann. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber auch, dass die Betroffenen das Verhalten wieder verlernen können. Die Ursachen für Prokrastination sind recht breit gefächert und schwer zu bestimmen. Es gibt Hinweise darauf, dass es an der zu erledigenden Aufgabe selbst liegen kann. Wir haben festgestellt, dass Studierende in weniger verschulten Fächern eher an Prokrastination leiden.

 

Beim Workshop „Prokrastination (Aufschieberitis)“ an der Heine-Universität in Düsseldorf

Also ein Phänomen der Geisteswissenschaften?

Tendenziell ist es tatsächlich eher ein Phänomen in den Geisteswissenschaften, in denen ich viele Hausarbeiten schreiben muss, die oft keine klare Deadline haben. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch in naturwissenschaftlichen Fächern vorkommt. Dort spüre ich aber schneller gravierende negative Konsequenzen, da alles verschulter organisiert ist. Das Studium ist dann oftmals bereits zwangsläufig beendet nach drei Semestern exzessiven Aufschiebens, weil ich meine Pflichtklausuren nicht bestanden habe und damit gar nicht weiterstudieren darf. Wenn ich niemanden habe, der mir klar sagt „Gib das am 31.03. ab“, dann wird es allerdings wahrscheinlicher, dass ich prokrastiniere. Wir haben das aber nicht nur unter Studierenden festgestellt, auch bestimmte Berufsgruppen sind häufiger betroffen. Gerade selbständige Berufe – zum Beispiel Anwälte, aber auch Journalisten – neigen eher dazu, Zeichen von Prokrastination zu zeigen.

Ansonsten ist es recht schwer, klare Ursachen zu nennen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass der Erziehungsstil der Eltern eine Rolle spielt. In den Domänen, in denen ich sehr restriktiv erzogen wurde, laufe ich Gefahr, im Erwachsenenalter vermehrt zu prokrastinieren. Wenn ich also immer dazu verdonnert wurde, jeden Abend den Abwasch zu machen, dann ist es wahrscheinlich, dass ich im Bereich „Haushalt“ mehr aufschiebe. Natürlich muss man bei solchen Studien immer ein wenig vorsichtig sein, da es sich hier um nachträglich erfragte Angaben handelt. Erinnerungen können natürlich gefärbt sein, besonders dann, wenn man im Nachhinein Erklärungen für sein Verhalten sucht.

Es gibt auch Hinweise dafür, dass Prokrastination genetisch vererbt sein könnte. Eine Studie hat festgestellt, dass 46 Prozent des Prokrastinationsverhaltens vererbt sein könnten. Doch auch diese Studie hat ihre Tücken, da man sich eigentlich mehr die Impulsivität angesehen hat als das Prokrastinationsverhalten."

 

Quelle: https://blogs.faz.net/blogseminar/prokrastination-ist-das-gegenteil-von-faulheit/